Das Integrationsprogramm der Verwaltungsforschung - Theoretische und methodische Grundlagen

Die Auseinandersetzung mit Theorien und Methoden ist allgemeiner Bestandteil der in den Sektionen betriebenen Forschungsprojekte. Jedoch erfordert der Auftrag zur Grundlagenforschung und die Lage der Verwaltungsforschung einen besonderen theoretischen und methodischen Programmschwerpunkt. Zwei Grundsituationen der Forschung sind zu verzeichnen: zum einen eine genuine Verwaltungsforschung, die - unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika und ihrer über 100 Verwaltungsfakultäten und -institute - Erkenntnisse der Politischen Wissenschaft, der Managementlehre, der Organisationssoziologie und sonst der Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften integriert; zum andern eine multidisziplinäre Verwaltungsforschung, die - signifikant in Deutschland - aus dem etablierten Fächerkanon von Rechts-, Wirtschafts-, Sozialwissenschaften und Geschichtswissenschaft heraus operiert. Das FÖV kann demgegenüber von seinen Anfängen an auf interdisziplinäre, auch transdisziplinäre Forschungsergebnisse verweisen. Heute wird das multidisziplinäre Forschungsverständnis in Europa dadurch herausgefordert, dass die auf dem Kontinent wie in Großbritannien tradierten Verwaltungsverhältnisse mit einem neuen öffentlichen Managerialismus konfrontiert sind, was entsprechend auch auf wissenschaftlicher Ebene aufgearbeitet werden muss. So stößt man im angelsächsischen Raum, aber auch an Plätzen wie Florenz, Leuwen, Leiden, Oslo usw. auf wissenschaftliche Aktivitäten, die eher dem Typus genuiner Verwaltungsforschung zuzurechnen sind.
Das FÖV hat sich an dieser Art der Verwaltungsforschung vielfach beteiligt. Während aber andernorts interdisziplinäre und transdisziplinäre Forschungen mit einem gewissen Wissenschaftspragmatismus betrieben werden, muss man insbesondere in Deutschland mit verschärfter Theorie- und Methodenkritik rechnen, wenn man Disziplingrenzen überschreitet. Es besteht mithin jenseits von Implikationen der Projektforschung der Bedarf, der Theorie- und Methodendiskussion ein sektorübergreifendes Forum zu geben. Der Ausgangspunkt ist dabei die Multidisziplinarität der Verwaltungswissenschaften. Der Weg sind interdisziplinäre Integrationsleistungen mit schwierigen theoretischen und methodischen Fragen, etwa: welches methodische Niveau muss erreicht sein, um jenseits einer spezifischen empirischen Sozialforschung von einer empirisch orientierten integrativen Verwaltungsforschung zu sprechen, oder, welche fächerübergreifenden Großtheorien - Systemtheorie, Diskurstheorie, Institutionentheorie - erweisen sich für integrative Erkenntnisse der öffentlichen Verwaltung als fruchtbar usw.? Entsprechend der deutschen Wissenschaftstradition wird für viele die interdisziplinäre Öffnung auch das Ziel eines Integrationsprogramms der Verwaltungswissenschaften sein. Andere mögen der alten Idee einer "Discipline-carrefour" oder einer transdisziplinären Forschung jenseits der Naturwissenschaften anhängen. Aber auch das sind Fragen, die auf einem Theorie- und Methoden-Forum zu diskutieren sind. Mittelbar kommt ein solches Grundlagengespräch der Verwaltungspraxis zugute, denn das kulturelle Vorverständnis der öffentlichen Verwaltung ist nicht zuletzt wissenschaftsgeprägt, wie die Konfrontation von Legalismus und Managerialismus in der jüngsten Verwaltungsgeschichte belegt.

Symposienreihe


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