Universitäre Lehre in Zeiten der Studienreform und Exzellenz-Initiative:
Multiple Zielverfolgung auf der Ebene der Organisation und ihrer individuellen Akteure

Projektbeschreibung

 

„Universitäre Lehre in Zeiten der Studienreform und Exzellenz-Initiative: Multiple Zielverfolgung auf der Ebene der Organisation
und ihrer individuellen Akteure

 

Hintergrund

„Gute Lehre“ rückt immer mehr in das Zentrum hochschulpolitischer wie universitärer Bemühungen. Bei näherer Betrachtung der Literatur zu Schlagwörtern wie „Qualitätssicherung in der Lehre“ wird deutlich, dass sich bereits hinter dem Kompaktbegriff „gute Lehre“ multiple Ziele verbergen. Kollektiv und individuell zu treffende Entscheidungen darüber, welche Ziele in der Lehre verfolgt und wie viel Ressourcen in die Verfolgung von Teilzielen investiert werden sollen, wurden bereits vor der Studienreform durch die wachsende Vielschichtigkeit der Indikatoren für „gute Lehre“ erschwert.

Unter dem Gesichtspunkt multipler Ziele innerhalb der Lehre kommt der Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge eine besondere Bedeutung zu. Neben der Konzeption neuer Studiengänge und fächerspezifischer Auswahlverfahren sind diese mit der Entwicklung neuer Curricula, Prüfungs- und Studienordnungen betraut. Sollen die anspruchsvollen, mit der Studienreform verknüpften Erwartungen eingelöst werden, sind jedoch sehr viel weitergehende Anforderungen zu meistern. Allen voran ist die Etablierung innovativer Lehr-Lern-Konzepte voranzutreiben, die dem selbstregulierten Lernen mehr Raum geben, stärker auf die Vermittlung von überfachlichen Kompetenzen abheben und aufgrund ihres anwendungsorientierten Charakters der geforderten Berufsorientierung Rechnung tragen. Damit einhergehend wären neue Formen der Leistungsüberprüfung zu implementieren, das Spektrum an multimedialen Lehrangeboten zu erweitern, eine institu­tionell verankerte Lehrevaluationskultur zu etablieren und die Beratungs- und Betreuungs­funktion von Lehrenden auszuweiten.

Das bereits in diesen Sollvorgaben angelegte Konfliktpotential steigt erheblich, wenn beide Kernaufgaben von Hochschulen – Forschung und Lehre – betrachtet werden. Insbesondere die Exzellenz-Initative hat in jüngster Zeit zu einem verschärften Wettbewerb um das knappe Gut „Reputation“ beigetragen. So dürfte sich das traditionelle Spannungsverhältnis zwischen lehr- und forschungsbezogenen Zielen verschärfen und – auf der Ebene der Organisation wie auf der Ebene der einzelnen Lehrenden – die Wahrscheinlichkeit konfligierender forschungsbezogener Ziele steigen.

Das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „Universitäre Lehre in Zeiten der Studienreform und Exzellenz-Initiative: Multiple Zielverfolgung auf der Ebene der Organisation und ihrer individuellen Akteure – eine Chance für gute Lehre?" richtet den Fokus auf die Identifizierung jener strukturellen und psychologischen Bedingungen, die einen effektiven Umgang mit den sich im Rahmen des „Bologna-Prozesses“ ergebenden Zielkonflikten begünstigen und insofern auch als Vor­aussetzungen für eine gelungene Studienreform gelten können.

Besonderes Kennzeichen des Projekts ist der interdisziplinäre Zugriff: Gestützt auf organisationssoziologische Ansätze einerseits und psychologische Handlungs- und Motivationsansätze andererseits soll das Lehrengagement von NachwuchswissenschaftlerInnen als Funktion organisationaler und personeller Bedingungen analysiert werden. Insgesamt eröffnet dieser Zugang die Chance, das Handeln kollektiver Akteure (hier: der Hochschulleitungen und der in Support-Strukturen Tätigen) und individueller Akteure (hier: der NachwuchswissenschaftlerInnen) unter einem thematischen Fokus – nämlich dem Umgang mit multiplen Ziel(vorgab)en – zu untersuchen und systematisch aufeinander zu beziehen.

Ablauf

Aspekte der formal-organisatorischen Gestaltung und der Lehr-/Lernprozessgestaltung können prinzipiell in vielfältiger Weise interagieren. Unter Berücksichtigung der dem Projekt zugrunde liegenden Theorien und Forschungsgegenstände liegt es jedoch nahe, die Analyse auf drei Aspekte zu fokussieren, die sowohl auf individueller als auch auf organisationaler Ebene als leistungsrelevante Bedingungen gelten und somit auch hervorragend zur Charakterisierung der Kopplung beider Ebenen geeignet sind.

a.    der Grad, in dem Steuerung (hier: Maßnahmen zur Qualitätssteigerung in der Lehre) als fremdbestimmt oder selbstbestimmt wahrgenommen wird;

b.    dem Ausmaß der Innovationsneigung von Organisationen und Personen;

c.    der organisationalen und individuellen Kompetenz, mit Ziel- und Rollenkonflikten produktiv um­zu­gehen.

Methodisch sind vergleichende Fallstudien an acht Hochschulen geplant. Im ersten Schritt sollen Interviews mit Repräsentanten der Hochschulleitung sowie der Hochschulverwaltung /des Hochschulmanagements durchgeführt werden. Parallel dazu findet eine standardisierte Befragung des wissenschaftlichen Nachwuchses statt, wobei ausschließlich MitarbeiterInnen mit Lehrverpflichtung berücksichtigt werden sollen. Aufbauend auf den hieraus gewonnenen Ergebnissen sollen in einem zweiten Schritt vertiefende Leitfadeninterviews mit gezielt ausgewählten Standorten / Personen durchgeführt werden.

Ziele

Neben der Beantwortung der Forschungsfrage (explikatives Ziel) sollen aus den gewonnen Erkenntnissen Ansätze zur Optimierung der gegenwärtigen Lehrsituation an den Hochschulen abgeleitet werden, die wir insbesondere über Weiterbildungsveranstaltungen im Hochschulkontext zu verankern versuchen (praxeologisches Ziel). Diese heben sich in zweifacher Weise von vorliegenden Veranstaltungen ab: auf der inhaltlichen Ebene, da Handlungsempfehlungen zur Reform der universitären Lehre stets unter Berücksichtigung der auf organisationaler und individueller Ebene relevanten Handlungsoptionen und ‑restriktionen sowie deren Wechselspiel formuliert werden; auf der methodischen Ebene, indem Strategien zur Förderung des Wissenstransfers zum Einsatz kommen, die sich in der Erwachsenenbildung und der Unternehmensberatung bewährt haben.

Durch die Entwicklung von wissenschaftlich fundierter Handlungsempfehlungen und Weiterbildungskonzepten, die Hochschulen nutzen können, um den kollektiven und individuellen Umgang mit multiplen Zielen zu optimieren, soll ein Beitrag zur Professionalisierung der Hochschullehre und der Support-Funktionen innerhalb der Hochschule geleistet werden.

 

Weitergehende Informationen zu dem Forschungsprojekt finden Sie hier:

Ausführlichere Projektbeschreibung


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