Professionalisierung im Deutschen Hochschulsystem
Das Projekt „Die Professionalisierung im deutschen Hochschulsystem" beschäftigt sich mit der Analyse von Professionalisierungsprozessen im deutschen Hochschulsystem sowie deren Implikationen für Organisation, Entscheidungsprozesse und Identität von Hochschulen. Basierend auf organisations- und professionstheoretischen Grundlagen wird eine vergleichende und systematisch angelegte empirische Erhebung der Hochschulprofessionalisierung durchgeführt. Fragen nach Bereichen von Professionalisierungsprozessen, ihren institutionellen und personellen Voraussetzungen, dem Entstehen neuer Berufsbilder sowie den Auswirkungen auf Forschung und Lehre stehen dabei im Mittelpunkt des Interesses.
Gegenwärtig findet im Hochschulsystem ein Modernisierungsschub statt, der in umfassender Art und Weise auch Auswirkungen auf die Organisation und Steuerung von Hochschulen hat. Von besonderer Bedeutung ist hier der Versuch, einzelne Aufgabenbereiche, Funktionen und Leitungsebenen an Hochschulen zu professionalisieren. Diese Entwicklung ist nicht unumstritten: Erwarten die einen eine Steigerung der Leistungsfähigkeit, die es Hochschulen erlaubt, sich effektiver auf wachsende Herausforderungen einzustellen, befürchten andere eine neue Bürokratisierungswelle sowie ein Infragestellen der akademischen Selbstorganisation mit negativen Auswirkungen auf die akademische Profession und das Hochschulsystem insgesamt.
Trotz der breiten Diskussion in der hochschulpolitischen Öffentlichkeit ist eine differenzierte Erhebung der Bereiche und Formen von Professionalisierungsprozessen sowie eine systematische Analyse ihrer Folgen bislang ein Forschungsdesiderat. Dabei zeigt sich eine doppelte Forschungslücke: Zum einen fehlt ein theoretisches Verständnis von Professionalisierungsprozessen in Hochschulorganisationen, das Grundlage für ein differenziertes Bild der unterschiedlichen Dimensionen von Hochschulprofessionalisierung ist. Zum anderen gibt es bisher keine systematisch und vergleichend angelegten empirischen Erhebungen, in denen unterschiedliche Bereiche und Formen der Professionalisierung an deutschen Hochschulen erfasst und zueinander in Beziehung gesetzt werden.
Auf beide Forschungslücken zielt das Projekt; mit dem nicht nur wissenschaftliche Erkenntnis produziert, sondern auch ein Beitrag zu aktuellen Diskussionen über Modernisierungs- und Reformstrategien im öffentlichen Sektor geleistet werden soll.
Grundsätzliches Ziel des Forschungsprojektes ist es, eine theoretisch-konzeptionelle Differenzierung von Professionalisierungsprozessen im deutschen Hochschulsystem zu entwickeln, auf deren Grundlage die Voraussetzungen, Strukturmuster und Folgen dieser Prozesse systematisch und mit Hilfe unterschiedlicher Methoden der empirischen Sozialforschung untersucht werden.
In dem Projekt werden Veränderungsprozesse in Hochschulen hinsichtlich der Organisation, der Personalrekrutierung und -entwicklung sowie der Berufs- und Identitätsrollen von HochschulmitarbeiterInnnen und ExpertInnen insbesondere auf der Ebene der Hochschulverwaltung empirisch analysiert. Dabei stehen folgende Aspekte im Mittelpunkt:
Mit Spezialisierung und Kompetenzverschiebung verbundene Reorganisationsprozesse innerhalb der Hochschule
Veränderungen von Zugang, Status und formalen Qualifikationswegen für HochschulmitarbeiterInnen
Spezialisierung von Berufsbildern und Entwicklung gemeinsamer Rollen- und Identitätsverständnisse von HochschulmitarbeiterInnen sowie deren Vernetzung
Ziel des Forschungsprojektes ist es, die unterschiedlichen Entwicklungstendenzen und Implikationen der oben genannten Veränderungsprozesse innerhalb von Hochschulen aufzuzeigen.
Theoretisch basiert das Projekt auf Einsichten der neo-institutionalistischen Organisationsforschung, der Professionssoziologie sowie der interdisziplinären Hochschulforschung. Auf diesen Grundlagen soll im Rahmen des Projekts ein profunderes theoretisch-konzeptionelles Verständnis von Professionalisierungsprozessen in Hochschulorganisationen entwickelt werden.
Methodisch basiert das Projekt auf einer Kombination qualitativer und quantitativer Verfahren, mit denen verschiedene Datenquellen zu analysieren sind. Bislang sind vier Untersuchungsschritte vorgeseh
– KanzlerIn & Hauptamtliche VizepräsidentIn
– Auslandsamt und Internationales
– Bologna KoordinatorInnenen und BeraterInnen
– Qualitätssicherung
– Wissens- und Technologietransfer
– Öffentlichkeitsarbeit & Marketing
– Wissenschaftliche Weiterbildung
Das Projekt soll Aufschluss über die Möglichkeiten und Grenzen von Modernisierungsstrategien im öffentlichen Sektor geben, die sich auf einen spezifischen Typus öffentlicher Organisationen (Hochschulen) und eine spezifische Strategie (Professionalisierung) richten. Dabei geht es weniger um Fragen der konkreten Zielerreichung, da es nicht um spezifische Einzelmaßnahmen geht, deren Zielerreichungsgrad sich messen ließe. Wichtiger erscheinen stattdessen die durch Professionalisierungsprozesse ausgelösten Veränderungen der Governance-Strukturen, Organisationsprozesse und Identitätskonzepte in Hochschulen insgesamt.