Ist selbst initiierter Wandel in Universitäten möglich? Das Beispiel der Promovierendenausbildung (erscheint im Hampp Verlag)
Nicole Thaller
Institut für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen
Gemeinschaft (IAAEG), Universität Trier
Ziel der Arbeit
In hierarchisch strukturierten Organisationen wie Unternehmen kann Wandel per "Weisung von oben" durchgesetzt werden. Organisationen, die durch flache Hierarchien, hohe Autonomie und Expertenwissen ihrer Mitglieder gekennzeichnet sind, steht dieses Instrument nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung. Hierzu zählen unter anderem Genossenschaften, Partnerschaften und universitäre Fachabteilungen.
Wie können organisatorische Strukturen in solchen Organisationen verändert werden? Untersucht wird diese Frage am Beispiel der Promovierendenausbildung. Wie schaffen es universitäre Fachabteilungen, einen Wandel vom Meister-Lehrlings-Modell der Promovierendenausbildung hin zu strukturierten Promotionsprogrammen zu initiieren?
Deutsche und europäische Fachabteilungen (Fach: Ökonomie) werden untersucht. Ich möchte die binnendynamischen, organisatorischen Bedingungen und Konstellationen für Wandel analysieren. Diese Herangehensweise erscheint angebracht, da Ansätze, die auf externe Anreize setzen, für den Organisationstyp 'universitäre Fachabteilungen' an ihre Grenzen stoßen. Im öffentlichen Sektor wird Organisationswandel zurzeit mit extern angestoßenen Maßnahmen angestrebt, die sich mit dem Begriff New Public Management zusammenfassen lassen. Der Ansatz beruht auf der Annahme, dass externe Anreize, staatliche Finanzierungsregeln („leistungsbezogene Finanzierung") oder auch die Zentralisierung von Entscheidungsprozessen Entwicklungsumschwünge einleiten können. Dieser Annahme stehen verschiedene Beobachtungen gegenüber, die Zweifel an der externen Steuerungsfähigkeit des Organisationstyps 'Fachabteilungen' aufkommen lassen. Deswegen sollen binnendynamische Aspekte berücksichtigt werden: Zentral ist die Untersuchung des Einflusses von Change Agents, also Personen(-gruppen), die institutionelle Innovationen aktiv initiieren und aktiv vorantreiben. Zudem werden Professionssozialisierungsaspekte sowie Kosten-Nutzen-Abwägungen analysiert. Dies geschieht sowohl auf individueller Ebene der Professoren als auch auf kollektiver Ebene der Fachabteilungen.
Methodisches Vorgehen
Als Untersuchungsdesign sind explorative Fallstudien gewählt worden. Da auf diesem Gebiet noch keine vergleichbaren Untersuchungen zur Verfügung stehen, scheint dieses Verfahren der angemessene Weg zu sein, das Thema zu untersuchen. Detaillierte Fallstudien bieten zudem eine Reihe von Vorteilen: eine bewusste, zielgerichtete Fallauswahl erlaubt mehr Tiefe bei der Analyse als quantitative Überblicksstudien. Feinen Unterschieden in der Organisationsstruktur und den Motivlagen der Akteure kann so besonders umfassend nachgespürt werden. Neben der fallweisen wird auch eine vergleichende Analyse möglich hinsichtlich der organisatorischen Vorbedingungen, der Handlungsarten sowie dem Typ und der Zielsetzung der unterschiedlichen Varianten an Promovierendenausbildung.
Die Datengewinnung erfolgt über verschiedene Wege: Interviews mit Professoren der untersuchten Fachabteilungen, Dokumentenanalysen (Lebensläufe, Promotionsordnungen, Programmbeschreibungen, Internetbeschreibungen etc.) und bibliometrische Analysen (Literaturdatenbank Scopus). Als Analyseinstrumente und zur Identifikation von evtl. Mustern werden qualitative Inhaltsanalyse und QCA kombiniert.
Da fachspezifische Forschungstraditionen und –normen existieren, ist es sinnvoll, sich auf ein Fach zu konzentrieren. Das Fach „Ökonomie" (Volkswirtschaftslehre) ist auch und besonders deswegen ausgewählt worden, weil es international recht ähnlich konzipiert ist und der Wissenschaftsrat (2002) hier einen besonderen Handlungsbedarf gerade in der Nachwuchsförderung festgestellt hat.