Karsten Gerlof
Für Reorganisationsprojekte in Hochschulen und Forschungseinrichtungen werden derzeit vielfach Managementinstrumente aus dem New Public Management, also aus dem Bereich der Verwaltungsreform, entlehnt und adaptiert. Davon erhofft man sich vor allem eine gesteigerte Effizienz und Effektivität, mehr Wettbewerb, eine leistungsbezogenere Finanzierung, eine wirksame Qualitätssicherung und ein stringenteres Management durch die Leitungen. Diese Überlegungen beziehen sich auf das gesamte Aufgabenspektrum der Hochschulen, zu dem u.a. die Forschung gehört. Die Frage, in wie weit die Entwicklungen im Bereich der Hochschulsteuerung bisher das Forschungsgeschehen dort verändert haben, ist jedoch offen.
Dessen Veränderung, so räumen auch Anhänger des New Public Management ein, ist nicht leicht steuerbar, u.a. weil Hochschulen und Forschungseinrichtungen Expertenorganisationen sind, die nicht allein durch Entscheidungen des Managements zu beeinflussen sind. In Expertenorganisationen sind nicht nur die Tätigkeiten und Arbeitsprozesse in den Untereinheiten auf Grund ihrer Komplexität nur schwierig zu kontrollieren oder zu sanktionieren: Diese Freiräume der Experten sind letztlich sogar notwendig, damit die Organisation ihren Auftrag erfüllen kann. Die Umsetzung von Reformen in Organisationen wie Hochschulen oder auch Forschungseinrichtungen hängt daher entscheidend davon ab, ob bei den Betroffenen Akzeptanz dafür vorhanden ist. Fachbereiche oder die einzelnen Forscher sind sich dessen bewusst und können sich gegen Veränderungen sperren, insbesondere dann, wenn die Vorhaben der Politik oder des Managements von ihnen als Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen angesehen werden.
Doch auch ohne eine bewusste Abwehr ist es denkbar, dass Reformversuche nicht greifen, weil sie in der Hochschule oder Forschungseinrichtung etablierte Kulturen, Wertvorstellungen und eingeübte Abläufe nicht berücksichtigen. Bezüglich der Forschung kommt ein besonderer kultureller Aspekt hinzu: Forscherinnen und Forscher sind nicht nur in die Hochschule oder Forschungseinrichtung eingebunden, sie sind auch Mitglieder einer wissenschaftlichen Gemeinschaft. Die Tätigkeit einzelner Forscherinnen und Forscher werden sehr stark durch die inhaltliche Entwicklung des Faches sowie durch seine Interaktionsstrukturen, Hierarchien und Wertsysteme bestimmt. Dies prägt ihre Haltungen und Handlungsweisen möglicherweise sogar in stärkerem Maße als die Einbindung in die einzelne Hochschule.
Dennoch dürfte es nicht ohne Folgen bleiben, dass die Forschung an öffentlich geförderten Einrichtungen immer wieder ein Thema Debatten in Politik und Gesellschaft ist, z.B. wenn es um die Innovationsfähigkeit der Volkswirtschaft geht. Dabei lassen sich Forderungen nach mehr Anwendungsorientierung, einer Stärkung des Transfers, kürzeren Wegen vom Forschungsergebnis zum fertigen Produkt, nach einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen und vor allem mit außerhochschulischen Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft finden. Dies erinnert stark an die Mode 2 – These, die Mitte der 90er Jahre in der Wissenschaftssoziologie großes Aufsehen erregt hat. Im Mode 2 sind Fächergrenzen zunehmend aufgelöst, die gesellschaftliche Nutzung von Forschungsergebnissen ist deutlich intensiver und es kann immer weniger zwischen Grundlagen- und Anwendungsforschung unterschieden werden.
Das Zusammenspiel zwischen den drei genannten Faktoren und ihr Einfluss auf die Reform von Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollen in diesem Projekt näher untersucht werden.