Univ.-Prof. Dr. Dorothea Jansen
Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften (DHV) Speyer,
Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung (FÖV) Speyer
Richard Heidler
Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung (FÖV) Speyer
Regina von Görtz
Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung (FÖV) Speyer
Das Vorhaben befasst sich mit dem Einfluss interner und externer Governance von Universitäten und Forschungsorganisationen auf Forschungsgruppen auf der Mikroebene des Forschungssystems. Im Fokus steht die Frage, ob und wie die aktuellen Reformen in Deutschland, z.B. die Forderungen nach Profil- und Schwerpunktbildung oder nach einer stärkeren Vernetzung der Forschungseinrichtungen, auf Netzwerkfähigkeiten und -strategien als intervenierende Variablen zwischen Governance- und Steuerungsvariablen und auf die Performanz von Forschungsgruppen als abhängige Variable einen Einfluss haben.
Erste Ergebnisse zeigen, dass ein Ansatz bei Netzwerken und Netzwerkstrategien als Einflussfaktor auf wissenschaftliche Performanz sinnvoll ist. Hier werden in der zweiten Phase weitere Untersuchungen zu den verschiedenen Produktions- und Netzwerklogiken der drei ausgewählten Felder auf der Grundlage eines größeren Samples in Kooperation mit Z2 durchgeführt. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass es neben den sehr unterschiedlichen economies of scale für die Größe einer Forschungsgruppe auch unterschiedliche economies für den Anteil von Drittmittelprojekten und für die Größe und Heterogenität von Netzwerken geben könnte. Hieraus könnten wichtige Hinweise für die Forschungspolitik, z.B. für die Definition von Evaluations- und Förderkriterien und insbesondere auch eine differenzierte Policy für unterschiedliche Forschungsfelder abgeleitet werden.
In der ersten Forschungsphase konnten nur selten Auswirkungen der Reformen im Wissenschaftssystem auf die Ausrichtung von Forschungslinien und von Netzwerken auf der Mikro-ebene beobachtet werden. Ein nennenswerter Einfluss wird nur durch die Förderpolitik von externen Akteuren, vor allem Drittmittelgebern wie der DFG, dem BMBF und in zunehmendem Maße der EU-Förderung ausgeübt. Wegen der Latenzzeit von Reformen können Effekte auf Netzwerklernen und -strategien jedoch nur in einem Design mit mehreren Messzeitpunkten beobachtet werden. In der zweiten Projektphase wird daher dem schon im ersten Antrag vorgelegten Forschungsplan für die zweite Phase folgend eine Längsschnittanalyse der drei zentralen Variablenbündel Interne und externe Governance, Netzwerkstrukturen und Netzwerkstrategien sowie Performanzvariablen durchgeführt. Im Zentrum steht die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Netzwerkstrategien und -kapazitäten und der Fähigkeit, offene Netzwerke zu gestalten sowie auf die Volatilität von Forschungsprogrammen und wissenschaftlich-technologischen Entwicklungen zu reagieren. Hinsichtlich der Auswirkungen von Governancevariablen auf Netzwerkstrategien und -strukturen soll überprüft werden, inwiefern die Art der Verknüpfung von internen und externen Governancemechanismen und eine geringe Anreizhöhe ursächlich für geringe Wirkungen sein könnten. Aktuelle Veränderungen (Exzellenzinitiative, W-Besoldung) könnten geeignet sein, die bisherige Konsenskultur aufzubrechen und auf der Mikroebene spürbare Prozesse von Schwerpunktbildungen und strategischen Vernetzungen auszulösen. Ferner soll der Einfluss externer wettbewerbs-orientierter Governancemechanismen und die Rolle der Förderprogrammatiken von Drittmittelgebern, insbesondere auch der EU, detaillierter untersucht werden.