"Transformationspfade des deutschen Systems der außeruniversitären Forschung. Bedingungen erfolgreicher Produktinnovation in der Materialforschung"
1. Hintergrund
Das Vorhaben ist Teil des Projektverbundes „Wissens- und Technologietransfer
in der Materialforschung. Charakteristika und Bedingungen für erfolgreiche Produktinnovation - Inno-Mat“, an dem sich neben dem FÖV das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, Forschungszentrum Karlsruhe (ITAS) sowie die Forschungsstelle Internationales Management und Innovation, Universität Hohenheim beteiligen, und das von der HGF finanziert wird.Das Projekt untersucht die Auswirkungen und Folgen der gegenwärtigen
organisatorischen Reformen im System der außeruniversitären Forschung in Deutschland und das Anpassungs-potential dieses Systems an die Erfordernisse der wirtschaftlichen Globalisierung und zunehmenden Ökonomisierung von Wissenschaft und Forschung. In einem ersten Schritt hat es sich mit der Fusion der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) mit der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) als der bislang größten forschungspolitischen Reform im Bereich der informationstechnischen Forschung in Deutschland befasst. Dieses Teilprojekt ist mittlerweile abgeschlossen, und seine Ergebnisse sind z.T. bereits veröffentlicht bzw. werden derzeit publiziert.Auf ihm baut nun ein Vorhaben auf, das die Fragestellung zur Entwicklung des
deutschen Innovationssystems unter den Bedingungen der globalenwirtschaftlichen und politische Integration unter dem Aspekt der Leistungsfähigkeit der Governanceformen im Bereich der Material-forschung weiterführen soll.Seit die Innovationsforschung die Annahme der Linerarität des Transferprozesses weitgehend verworfen hat, finden sich in der Literatur
wie etwa mit dem „zirkulären“, dem „rekursiven“ und dem „interaktiven“ Modell des Wissenstransfers Konzepte, die sehr unterschiedliche Wirkungszusammenhänge in den Blick nehmen. Gemeinsam ist diesen unterschiedlichen Ansätzen nur, dass sie die Bedingungen des Erfolgs von Transferprozessen in der engen Kooperation und Vernetzung der Produzenten und Anwender von neuem Wissen sehen. Welche Mechanismen der Kooperation und Vernetzung zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen und insbesondere mittelständischen Unternehmen förderlich sind bzw. entgegenstehen, ist bislang jedoch kaum untersucht worden. Die wenigen Arbeiten, die sich dies zum Ziel gesetzt haben, beschränken sich bislang auf eine primär betriebswirtschaftliche Perspektive und lassen governancetheoretische Variablen weitgehend außer Acht.2. Zielstellung/Forschungsfragen:
Das Projekt soll vor dem Hintergrund einer Rekonstruktion des
institutionellen Status Quo u.a. die Auswirkungen und Folgen dieses Umbruchs insbesondere für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der mittelständischen Industrie in Deutschland und ihre Konkurrenzstrategie der„diversifizierten Qualitätsproduktion“ untersuchen. Die Materialforschung stellt ein Gebiet dar, auf dem der öffentlichen Forschungsförderung eine entscheidende Bedeutung für die wirtschaftliche Performanz der mittelständischen Industrie in Deutschland zukommt. Kleine und mittlere Betriebe sind zwar im Prinzip flexibler und leistungsfähiger als vertikal integrierte Großunternehmen, können aber anders als diese die Voraussetzungen für Innovationen in der Regel nicht intern erzeugen. Sie sind dementsprechend auf die Existenz kollektiver Wettbewerbsgüter angewiesen, die von der öffentlichen Forschungsförderung zur Verfügung gestellt werden.Die Governanceformen der staatlichen geförderten Forschung und der Kooperationsnetzwerke in der deutschen Materialforschung sind vielfältig und seit einigen Jahren – wie etwa mit ihrer Umstellung auf die Programmorientierte Forschungsförderung im Rahmen der Helmholtz-Gemeinschaft deutschen Forschungszentren (HGF) – in einem institutionellen Umbruch begriffen. Ergebnisse des ersten Teilprojektsdeuten darauf hin, das die gegenwärtigen Reformen der außeruniversitären Forschung, die auf den Versuch hinauslaufen, die deutsche Industrie zu mehr Produktinnovationen zu befähigen, durchaus auch in der Gefahr stehen, diese traditionelle Stärke des deutschen Innovationssystems zu beeinträchtigen.
Entsprechend zum Stand der Forschung besteht ein dringender Bedarf an Untersuchungen, die der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit unterschiedlicher intra- und interorganisatorischer Governancestrukturen in der außeruniversitären Forschung für die Organisation des Technologietransfers in der Materialforschung nachgehen. Zugleich zeigen die Ergebnisse der ersten Teilprojekts, dass die gegenwärtigen reformpolitischen An- und Umbauten an der institutionellen Architektur der außeruniversitären Forschung in unbeabsichtigter Weise latente Funktionen beeinträchtigen können, und damit möglicherweise Stärken des deutschen Innovationssystems schwächen, ohne seine Schwächen unbedingt zu kompensieren.
3. Forschungsdesign:
Experten-Interviews, Leitfaden-Interviews, teilnehmende Beobachtung, Literaturstudien und Dokumentenanalyse, Workshops (mit Experten und Materialforschern aus den begleiteten Projekten).
4. Erwartete Ergebnisse:
Angesichts der Vielfalt der Governanceformen in der staatlich finanzierten Materialforschung in Deutschland werden unterschiedlich leistungsfähige Transferstrukturen erwartet, die zum Teil großen Spielraum für die Optimierung des jeweiligen institutionelles Designs der Forschungsorganisationen bieten werden. Zugleich ist aber auch zu vermuten, dass die gegenwärtigen forschungspolitischen Reformen unintendierte Effekte haben, die gerade effiziente Arrangements tangieren.
Ziel des Projektes ist es, Erfolgsfaktoren für innovative Produktentwicklung am Beispiel von Neuentwicklungen innerhalb der Materialforschung exemplarisch herauszuarbeiten. Der Transfer der Ergebnisse des Projekts an die Praxis des Wissenschaftsmanagements erfolgt unter Beteiligung des Zentrums für Wissenschaftsmanagement (ZWM).