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Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung

Public Value durch E-Governance: Die Organisation kollaborativer Aktivitäten im Staat

(Teilprojekt des Projektverbunds Web 2.0)

Dieses Teilprojekt untersucht, wie Staat und Bürger über internetbasierte soziale Medien so zusammenarbeiten können, dass ein öffentlicher Mehrwert entsteht. Hintergrund ist eine fortschreitende soziotechnische Entwicklung: Web 2.0-Anwendungen ermöglichen den Nutzern sich auszutauschen und interaktiv in einem Entscheidungsprozess zusammenzuarbeiten (Kollaboration). Dies hat für den Bürger den Vorteil, sich frühzeitig einbringen und Entscheidungen beeinflussen zu können, während die Verwaltung davon profitiert, sich im Vorfeld über die Präferenzen der Betroffenen informieren zu können. So können zum Beispiel größere Infrastrukturprojekte im Voraus zwischen Entscheidern und Betroffenen abgestimmt werden und damit langwierige und teure Verfahrensaufschübe und Protestaktionen vermieden werden. Dies wird freilich erschwert durch die Anlassbezogenheit und Anonymität der internetbasierten Medien. Vor diesem Hintergrund zielt das Projekt darauf, eine effektive Steuerung (Governance) von kollaborativen Web 2.0 Anwendungen zu erarbeiten.

Hierzu wird zunächst beantwortet, welche  Formen individuellen, staatlichen und gesellschaftlichen Mehrwerts durch die oben genannten kollaborativen Aktivitäten im Staat unter Nutzung von Web 2.0-basierten E-Governance Angeboten entstehen können. Zugleich soll das Potenzial beziehungsweise der öffentliche Mehrwert (Public Value) dieser neuen Form der Zusammenarbeit erfasst werden.

Im Fokus stehen Aktivitäten von Teilnehmern, welche Wissen gemeinsam generieren, transferieren und nutzen (z.B. „Crowdsourcing“). Um diese wissensintensiven und kollaborativen Aktivitäten effizient und effektiv durchzuführen, ist eine geeignete Governance erforderlich, also ein Repertoire aufeinander abgestimmter Steuerungsmechanismen. Entscheidend ist, inwieweit eine ausreichende (vor allem intrinsische) Motivation der Beteiligten als auch ein Minimum an gegenseitigem Verständnis (kognitiver Kompatibilität) erzielt wird. Dafür sind Verwaltungsmitarbeiter auf die mit den kollaborativen Aktivitäten verbundenen Aufgaben vorzubereiten und auszubilden. Ebenfalls ist zu klären, inwiefern Bürger zu befähigen und motivieren sind, an der Zusammenarbeit mitzuwirken.

Insbesondere eine Selbststeuerung, das heißt eine dezentrale, wechselseitige Abstimmung der Beteiligten, kann einen positiven Beitrag leisten. Diese erlaubt, individuelle Vorbehalte zu überwinden, um gemeinsam komplexe Probleme handhaben zu können. Die Selbststeuerung ist durch Regeln und Weisungen (verfahrens-) und ökonomische Kennzahlen (ergebnisbasierter Steuerungsmechanismus) zu ergänzen. Weitergehend wird analysiert, mit welchem Steuerungsmix sich kollaborative Aktivitäten effektiv gestalten lassen und welche motivationalen und kognitiven Voraussetzungen hierfür erforderlich sind.

Die theoretische Herangehensweise basiert auf dem größeren Rahmen von Knowledge Governance (Wie kann der Umgang mit Wissen in Organisationen durch formale Strukturen gesteuert werden) und Actor-Network-Theory (Wie Mensch und Technologie in einem Netzwerk zusammenwirken). Über eine qualitativ-explorative Untersuchung werden die theoretischen Vorannahmen verfeinert und Hypothesen gebildet. Diese werden zu einem Strukturmodell verdichtet und anhand von, über Fragebögen erhobener, quantitativer Daten überprüft. Mit diesem multivariaten, gemischt-methodischen Vorgehen lässt sich die Frage beantworten, ob die vermuteten Zusammenhänge in der Praxis existieren. Darauf aufbauend sind Handlungsempfehlungen für die Praxis ableiten.

Das Ergebnis bildet ein Modell kollaborativer E-Governance. Darin ist das Verhalten der an kooperativer Gemeinwohlwertschaffung beteiligten Akteure auf individueller, staatlicher und gesellschaftlicher Ebene sowie ihre Nutzung aktueller Technologie berücksichtigt. Mit dem Modell ist zu zeigen, wie sich kollaborative Aktivitäten der Verwaltung unter der Nutzung von Web 2.0 so organisieren lassen, dass Public Value entsteht.

Publikationen

Misgeld, Manuel, Herausforderungen bei der Steuerung von Veränderungsprozessen in der öffentlichen Verwaltung unter besonderer Berücksichtigung des Personal- und Führungsverhaltens, in: Christoph Verenkotte/Rainer Christian Beutel/Thomas Bönders (Hrsg.), Change Management (Schriften der Deutschen Sektion des Internationalen Instituts für Verwaltungswissenschaften, Bd. 39), Baden-Baden 2015, S. 55–70.

Morner, Michèle/Misgeld, Manuel, Governing Public Value: How to Foster Knowledge-intensive Collaboration in the Public Sector, in: Luca Gnan/Alessandro Hinna/Fabio Monteduro (Hrsg.), Mechanisms, roles and consequences of governance, Emerging issues (Studies in Public and Non-Profit Governance, V. 2), 1st ed., Bingley 2014, S. 41–57.

Morner, Michèle/Misgeld, Manuel/Walther, Axel, Public Corporate Governance Kodizes als Allheilmittel? Wege zur effektiven Kontrolle und Steuerung von öffentlichen Unternehmen, in: BOARD Zeitschrift für Aufsichtsräte in Deutschland (2013), S. 188–192.

Wojtczak, Markus/Morner, Michèle, Bringing the Citizen back in: Motivational Aspects of Knowledge Sharing Through Web 2.0 Technologies in Public Administration, in: eJournal of eDemocracy and Open Government 7 (2015), S. 29–44.

 

Projektlaufzeit

1.04.2013 - 30.06.2016

Projektleiterin

Prof. Dr. Michèle Morner

Prof. Dr. Michèle Morner

Projektbearbeiter

Manuel Misgeld

Manuel Misgeld, Mag. rer. soc. oec.

Website

Projektbearbeiter

Markus Wojtczak

Markus Wojtczak, M.A.

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