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Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung

Algorithmenkontrolle im Internet der Dinge

In einem „Internet der Dinge" sind (Alltags-)Geräte digital miteinander verbunden und dazu in der Lage, sich wechselseitig zu steuern. Selbstlernende Algorithmen verzahnen die vernetzten Geräte über eine Kommunikationsplattform und machen sie für ihre Nutzer bedienbar. Dass die Rechtsordnung Algorithmen weithin als Betriebsgeheimnis einstuft, löst eine regulierungspolitische Konfliktlage zu dem Anspruch Deutschlands und der Europäischen Union aus, einen Raum hoher Daten- und Verbraucherschutzstandards zu etablieren. Algorithmen entpuppen sich schnell als „Blackbox", in der substanzielles Gefährdungspotenzial für die Grundrechte der Verbraucher schlummert. Im „Internet der Dinge" gilt dieser Befund in besonderer Weise: Zur fehlenden Transparenz gesellt sich dort eine für den Einzelnen kaum überschaubare Masse an Daten und Interaktionsmustern. Ohne technische Hilfsmittel (etwa Visualisierung oder Suchmasken) kann der Mensch die unstrukturierte Informationsmasse nicht verstehen - ohne staatliche Einflussmöglichkeiten kann er sie nicht kontrollieren. Der Verwirklichung des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung, dem Prinzip der Nachvollziehbarkeit hoheitlicher Entscheidungen und dem Grundsatz der Datensouveränität legt das Steine in den Weg. Umso mehr ist die Forschung aufgerufen, nach geeigneten Regulierungsansätzen Ausschau zu halten, um die im „Internet der Dinge" lauernden Gefahren einzuhegen und die technischen Innovationen im Interesse des Gemeinwohls fruchtbar zu machen.

Ein verbrauchschutzfreundliches „Internet der Dinge" ist ohne eine diskriminierungsfreie und gemeinwohlorientiert beaufsichtigte Infrastruktur, insbesondere ohne normative Vorgaben für die Schnittstellenverwaltung undenkbar. Vor diesem Hintergrund analysiert das Forschungsvorhaben zunächst die allgemeinen Gefahrpotenziale selbstlernender Algorithmen und arbeitet ihre Grundrechtssensibilität heraus. Es sucht - unter besonderer Berücksichtigung der Eigenheiten des „Internets der Dinge" - nach regulatorischen Ansatzpunkten, organisationsrechtlichen Gestaltungsoptionen und normativen Innovationspotenzialen, um die Parameter Datensouveränität, Datensicherheit und Transparenz bereits in der infrastrukturellen Architektur zu verankern. Ein weiteres Ziel ist es, Diskriminierungsrisiken selbstlernender Algorithmen normativ gegenzusteuern.

Das Forschungsprojekt entwickelt rechtliche Grundlagen für eine staatliche Algorithmenkontrolle. Seine Erkenntnisse bricht es anschließend auf ein Anwendungsszenario im „Internet der Dinge" herunter.

Das Forschungsvorhaben ist ein Drittmittelprojekt im Rahmen des Programms „Innovationsförderung im Verbraucherschutz in Recht und Wirtschaft - Verbraucherbezogene Forschung über das „Internet der Dinge" des Bundesministeriums für Justiz und für Verbraucherschutz.

Hinweis: Die Texte auf dieser Homepage sind urheberrechtlich geschützt. Sie stammen wörtlich oder sinngemäß aus Martini, Digitalisierung als Herausforderung und Chance für Staat und Verwaltung, FÖV Discussion Paper Nr. 85, 2016, insbesondere S. 46 f.

Auftraggeber

Bundes­minis­terium der Justiz und für Ver­brau­cher­schutz

Programmleiter

Prof. Dr. Mario Martini

Website

Projektbearbeiterin

Wiebke Fröhlich

Webseite

Projektbearbeiter

Cornelius Wiesner

Cornelius Wiesner

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