"Realisationsbedingungen lokaler Bürgerpanels als Instrument und Motor der Bürgerbeteiligung"

Das Projekt

Projekt: "Realisationsbedingungen lokaler Bürgerpanels als Instrument und Motor der Bürgerbeteiligung"

Problemstellung:
Die Möglichkeiten für aktive Bürgerbeteiligung auf lokaler Ebene werden bisher nur vereinzelt und in getrennt voneinander verlaufenden Bahnen ausgeschöpft. Es mangelt an einem Ansatz, der als integrative Plattform und Impulszentrum dienen könnte. Wie ausländische Beispiele zeigen, bietet hierfür das Bürgerpanel (Citizen(s) Panel) ideale Ausgangsbedingungen. Es konnte sich bisher in Deutschland angesichts vielfältiger Bedenken und Hemmnisse nicht etablieren. In dieser Situation legt sich ein Modellprojekt zur Auffindung von Transformationspfaden (i.e. zur Klärung der Einführungsvoraussetzungen, -hemmnisse und -folgen) nahe.

Ziele:
Abklärung der Beiträge, die das lokale Bürgerpanel bei der Ausgestaltung und Verlebendigung der Kommunikation zwischen Bürgern, lokalen Vertretungskörperschaften und kommunalen Verwaltungen leisten kann; Explorierung der Möglichkeiten, den Ansatz mit der Entwicklung von „e-Democracy“ im lokalen Raum und mit dem Bürgerbegehren/Bürgerentscheid zu verknüpfen (PEB-Perspektive!).

Förderung des aktiven bürgerschaftlichen Engagements, Förderung der Bürgerorientierung der Verwaltung, Förderung der Konsensbildung zwischen Bürgern und lokalen Vertretungskörperschaften; Abbau von Verdrossenheitspotenzialen und Vertrauensdefiziten in der Bevölkerung.

Zentrale Forschungsfragen:
Wie muss eine Transformationsstrategie zur Einführung lokaler Bürgerpanels angelegt sein, um erfolgreich zu sein? Welche Gestaltungsparameter  legen sich angesichts der mit lokalen Bürgerpanels verfolgbaren Zielsetzungen nahe? Welche Bedingungen  sind zu erfüllen, damit das Bürgerpanel als eine Praxis zur Ausschöpfung der Möglichkeiten der e-Democracy entwickelt werden kann? Wie kann das Bürgerpanel in ein produktives Ergänzungsverhältnis mit dem Bürgerbegehren/ dem Bürgerentscheid gebracht werden?

Methodisches Vorgehen:
Projektphase 1: Sammlung und Auswertung ausländischer Erfahrungen (Dokumentenanalyse); Befragung ausländischer Initiatoren und Anwender (qualitative Interviews mit Gesprächsleitfaden); Kontaktaufnahme mit potenziellen Anwenderkommunen in Deutschland mit dem Ziel der Gewinnung von 3 Kommunen für die experimentelle Einführung von Bürgerpanels.

Projektphase 2: In Kooperation mit den drei für die Durchführung von lokalen Bürgerpanels gewonnenen Kommnen werden Bürgerpanels initiiert, durchgeführt, ausgewertet, prozessbegleitend evaluiert und rückgekoppelt. Das Projekt begleitet und evaluiert die Implementierung von Bürgerpanels auf lokaler Ebene. In der zweiten praxisbezogenen Phase sind in den drei beteiligten Kommunen jeweils sechs Bürgerbefragungen geplant, die weitestmöglich online durchgeführt werden sollen; eine Offline-Umfrage, d.h. eine schriftliche Befragung einer nach Zufallskriterien gezogenen Stichprobe dient als Kontrollbefragung, mit welcher die Ergebnisse der Online-Umfragen im statistisch relevanten Sinne interpretiert werden können; die Bürgerbefragungen in den beteiligten Kommunen werden je nach Thema und Erfordernis um intensivere Bürgerbeteiligungsformen (z.B. Focusgruppen) ergänzt; zwei Befragungen der Ratsmitglieder und sonstigen einflussübenden lokalen Akteuren zu unterschiedlichen Zeitpunkten identifizieren und berücksichtigen hemmende und fördernde Einführungsfaktoren auf politischer Ebene; Initiierung eines Benchlearning-Prozesses, der anderen Kommunen die Möglichkeit bietet von den Erfahrungen der Modellkommunen zu profitieren.

Die Forschungsergebnisse und Erfahrungen fließen in einen Praxisleitfaden ein, der aktive Hilfestellungen für die zukünftige Implementierung von Bürgerpanels bietet. Eine Software, die die Nachhaltigkeit des Projekts sichern soll und mit der die Kommunen das Befragungsmanagement selbständig durchführen können, ist in der Entwicklung.

Eigene Vorarbeiten:
Theoretische und empirische Arbeiten im Bereich der politischen Kulturforschung; Analysen zum gesellschaftlichen Wertewandel; Planung, Durchführung und Auswertung von Bürger-, Publikums- und Amtsbesucherbefragungen; empirische Untersuchungen zum freiwilligen bürgerschaftlichen Engagement; Beratung von Kommunen bei der Vorbereitung und Einführung innovativer Formen bürgerschaftlicher Mitwirkung; Mitträgerschaft bei Modellprojekten im Bereich der begleitenden Evaluationsforschung auf lokaler Ebene; explorative Recherche zu den Konzepten, Einführungsstrategien und Ergebnissen von lokalen Bürgerpanels im Ausland; Entwicklung eines auf die Bedingungen der deutschen Kommunalverwaltung angepassten Panelkonzepts unter Berücksichtigung methodisch empirischer Anforderungen.

Projektstand:
Im April 2004 wurde ein erster Zwischenbericht aus dem Projekt vorgelegt, der die Arbeiten der ersten Phase dokumentiert und das weitere (methodisch und inhaltliche) Vorgehen im Projekt definiert.

In den mittlerweile 4 Projektkommunen sind zahlreiche Bürgerbefragungen zu aktuellen Themen mit regionalem Charakter durchgeführt worden. Zwei Ratsbefragungen fanden statt und die Befragungssoftware wurde entwickelt und wird nun getestet. Ebenso fand im Februar 2006 ein Workshop mit den beteiligten Kommunen ins Speyer statt.

Momentan wird die Durchführung der letzten Bürgerbefragungen und die zweiten Ratsbefragungen vorbereitet. Das Projekt befindet sich in der Auswertungsphase.

 

 


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