Pressemitteilungen

2. November 2011

Trauer um das Ehrenmitglied des FÖV,
Prof. em. Dr. Gerd Roellecke (1927-2011)

Das Deutsche Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer (FÖV) trauert um sein Ehrenmitglied und seinen langjährigen Beiratsvorsitzenden Prof. em. Dr. Gerd Roellecke. Dieser wurde am 13. Juli 1927 im westfälischen Iserlohn als Sohn eines Exportkaufmanns geboren. Nach dem Studium der Nationalökonomie und der Rechtswissenschaften (1948-52) in Würzburg und Freiburg und einer Referendarzeit war er zunächst Redakteur der Fachzeitschrift „Betriebsberater“ in Heidelberg. Nach seiner Promotion 1960 an der Universität Freiburg über „Politik und Verfassungsgerichtsbarkeit“ wurde er Assistent von Prof. Peter Schneider an der Universität Mainz, wo er sich im Jahre 1967 über den „Begriff des positiven Gesetzes und das Grundgesetz“ habilitierte. Von 1966-69 war Gerd Roellecke wissenschaftlicher Mitarbeiter des Richters Prof. Gerhard Leibholz am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Zugleich war er 1967 Privatdozent für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Universität Mainz. Im Jahr 1969 wurde er zum Ordentlichen Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Universität Mannheim ernannt. Dort wurde er 1970 bis 1973 zum Prorektor gewählt. Im Jahr 1982 wurde er zum Rektor der Universität Mannheim gewählt und hatte dieses Amt bis zum Jahr 1985 inne. 1995 wurde Gerd Roellecke emeritiert.

Bekannt wurde Gerd Roellecke zum einen durch sein wissenschaftliches Œuvre, zu dem die Rechts- und Staatsphilosophie gehören – hier insbesondere die öffentliche Moral und die Staatstheorien –, sowie das Staats- und Verfassungsrecht – hier namentlich die Verfassungsgeschichte, die Grundrechte, und der Rechtsstaat sowie die Verfassungsgerichtsbarkeit – und schließlich das Verwaltungsrecht, insbesondere unter dem Gesichtspunkt des Hochschulrechts. Immer blieb Gerd Roellecke auch offen für die Nachbarwissenschaften, dieser Umstand kommt nicht zuletzt in der Herausgabe des schönen und vielrezensierten Bandes „Preußische Stile: ein Staat als Kunststück“, Stuttgart 2001 (zusammen mit Patrick Bahners), zum Ausdruck. Vielen Lesern des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeiten wird Gerd Roellecke überdies als scharfsinniger Rezensent in Erinnerung bleiben.

Einen Namen machte sich Gerd Roellecke aber auch als engagierter Hochschulpolitiker: Von 1972 bis 1974 war er Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz und als solcher ein mutiger hochschulpolitischer Sprecher der Universitäten und Hochschulen. Daran anschließend war Gerd Roellecke bis zum Jahr 1977 Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Das Deutsche Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer hat Gerd Roellecke viel zu verdanken. Das betrifft insbesondere seine Tätigkeit zunächst als Mitglied und später als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des FÖV (beides von 1995 bis 2001). Bereits im Jahre 1990 hatte Gerd Roellecke im Auftrag der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei eine externe wissenschaftliche Qualitätskontrolle anlässlich der Überprüfung des FÖV durch die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung vorgenommen; nicht zuletzt dieser Umstand hatte ihn – neben seiner beeindruckenden Bildung – für das Amt des Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats des FÖV als besonders geeignet erscheinen lassen.

In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des FÖV hat Gerd Roellecke die Forschungstätigkeit des Instituts stets intensiv begleitet und (auch in vielen Einzelgesprächen) durch zahlreiche wertvolle Ratschläge gefördert. Aufgrund seiner regelmäßigen Besuche der institutsinternen Forschungskolloquien hat er Vorschläge für eine Verbesserung der disziplinenübergreifenden Diskussion und für eine verstärkte Einbindung der Forschungsreferentinnen und –referenten entwickelt, die Eingang in die Gestaltung der Forschungskolloquien gefunden haben. Gerd Roellecke hat durch seine Stellungnahmen in den Sitzungen des Wissenschaftlichen Beirats der Neustrukturierung des FÖV maßgebliche Impulse verliehen, insbesondere im Hinblick auf das Forschungsprogramm und die Profilierung der Sektionen, die sich im Restrukturierungskonzept niedergeschlagen haben. Für diese Verdienste wurde Gerd Roellecke am 8. Oktober 2001 durch den Direktor des FÖV, Prof. Dr. Jan Ziekow, im Rahmen der Tagung anlässlich des 25jährigen Bestehens des FÖV die Ehrenmitgliedschaft sowie die Ehrenmedaille des Instituts verliehen.

Auch nach dem Ende seiner Amtszeit nahm Gerd Roellecke häufig an den institutsinternen Forschungskolloquien teil und interessierte sich sehr für die Arbeiten der jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, denen er viele weiterführende Anregungen zu geben wusste. Auch die Teilnehmer von Symposien und Tagungen am FÖV werden Gerd Roelleckes Scharfsinn, seine Liebe von Diskussionen und Paradoxien, seine beeindruckende Intelligenz und seine Liebenswürdigkeit in nachhaltiger und guter Erinnerung behalten.



Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer auf erfolgreichem Kurs

Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) hat auf seiner Sitzung am 22. November 2007 Empfehlungen hinsichtlich der Weiterförderung mehrerer Institute abgegeben, die vom Bund und von den Ländern gemeinschaftlich finanziert werden. Diese Empfehlungen dienen dazu, die Förderungswürdigkeit der Einrichtungen durch Bund und Länder in regelmäßigen Abständen zu überprüfen. Zu den uneingeschränkt als positiv beurteilten Einrichtungen gehört auch das Deutsche Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer (FÖV). Dieses betreibt anwendungsorientierte Grundlagenforschung im Bereich der Verwaltungswissenschaften. Das Institut hat nach dem Urteil des Senats der WGL in den letzten Jahren seine Stellung als Motor der deutschen und europäischen Verwaltungsforschung weiter ausgebaut. Aus diesem Grunde hat der Senat der WGL die weitere Förderung des FÖV für die Höchstzeit von sieben Jahren empfohlen.

Dem FÖV wird bescheinigt, dass es gute, teilweise sehr gute bis exzellente Forschungsleistungen für und über die öffentliche Verwaltung erbringt. Herausragende wissenschaftliche Arbeiten habe das FÖV insbesondere im Bereich neuer Governance-Formen und der Gesetzesfolgenabschätzung geleistet. Die Ergebnisse, die das Institut in der anwendungs- und beratungsorientierten Auftragsforschung vorgelegt hat, stießen auf hohe Akzeptanz in der Verwaltungspraxis und würden das FÖV als unverzichtbaren Ansprechpartner für Bund, Länder und Kommunen ausweisen. Das Institut engagiere sich auch sehr erfolgreich in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Anstrengungen der vergangenen Jahre zur noch stärkeren internationalen Sichtbarkeit der am Institut betriebenen Forschung hätten Erfolge gezeigt.

Wie der Direktor des FÖV, Univ.-Prof. Dr. Ziekow, erklärte, sehe sich das FÖV hierdurch in seinem Weg bestätigt. Gleichwohl werde es seine Anstrengungen weiter verstärken, um seine zentrale Position als Motor der verwaltungswissenschaftlichen Forschung in Deutschland auszubauen.

Kontakt:
Dr. Margrit Seckelmann
Deutsches Forschungsinstitut
für öffentliche Verwaltung Speyer
Postfach 1409
67349 Speyer
Tel.: 06232-654-387
Fax: 06232-654-290
seckelmann@foev-speyer.de


 


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