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Prof. Dr. Dorothea Jansen

PD Dr. Hans-Willy Hohn

 

Transformationspfade und Leistungsfähigkeit des deutschen Systems der außeruniversitären Forschung

 

Das Projekt geht der Frage nach, wie sich der gegenwärtigen politischen Maßnahmen zur Reform des Systems der außeruniversitären Forschung auf seine Leistungsfähigkeit auswirken. Es wird hauptsächlich von der Max-Planck-Gesellschaft finanziert und steht in enger Kooperation mit dem am Forschungsinstitut für Öffentliche Verwaltung (FÖV) neu ausgegründeten Zentrum für Wissenschaftsmanagement e.V. Speyer (ZWM) (http://www.zwm-speyer.de). Sein Ziel besteht darin, das ZWM bei seinen Bemühungen, die Professionalisierung des Managements von Wissenschaft und Forschung in Deutschland voranzutreiben, wissenschaftlich zu unterstützen.

Seit rund zwei Jahrzehnten unterliegen Wissenschaft und Forschung in wachsendem Maße der Ökonomisierung und Nutzenorientierung. Der zunehmend globale wirtschaftliche Wettbewerb findet mehr und mehr über technologie- und wissensintensive Produkte und Verfahren statt und hat einen neuen Modus, („Mode 2") der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung hervorgebracht, durch den das traditionelle lineare Modell des Technologietransfers von einem interaktiven Modell von Innovationsprozessen abgelöst worden ist, das Henry Etzkowitz als eine „Tripple Helix" von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik beschreibt. Während Innovationsprozesse im Rahmen des linearen Modells einer seriellen Wertschöpfungskette entsprachen, die von der Grundlagenforschung zur angewandten Forschung und schließlich zur industriellen Entwicklung führte, basieren sie gerade in den neuen Technologien auf zirkulären und rekursiven Interaktionsprozessen zwischen heterogenen Forschungs- und Anwendungsgebieten, in denen häufig zuvor unverbundenes und dezentral verteiltes Wissen kombiniert wird. Dies schafft insbesondere in Deutschland neue Anforderungen an die staatliche Forschungspolitik und die Organisation der Forschung.

Wie in diesem Maße weltweit kaum ein anderes Innovationsregime orientiert sich die organisatorische Struktur des deutschen Systems der außeruniversitären Forschung am traditionellen linearen Modell des Technologietransfers. Die föderale Kompetenzverteilung innerhalb dieses Systems begünstige es, daß sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine arbeitsteilige organisatorische Struktur von Forschungseinrichtungen herausgebildet hat, die der Idee nach eine Wertschöpfungskette von der akademischen Grundlagenforschung zur industriellen Produktentwicklung bildet. Dieses Organisationsprinzip hat sich allerdings nur in der kerntechnischen Forschung bewährt, schuf dagegen auf anderen Feldern stets Kooperationsprobleme und Kooperationswiderstände und steht insbesondere den neuen Anforderungen an die interorganisatorische Vernetzung der Forschungsaktivitäten entgegen.

Trotz dieser Rigiditäten weist die organisatorische Struktur des deutschen Innovationssystems eine hohe Stabilität und Resistenz gegenüber Veränderungen auf. Reformen sind aufgrund der föderalen Kompetenzverteilung in der außeruniversitären Forschung weitgehend blockiert. Die horizontal und vertikal verflochtene Struktur dieses politischen Feldes macht einen fundamentalen institutionellen Wandel unwahrscheinlich und trägt in hohem Maße zu seiner pfadabhängigen Entwicklung bei. Gleichwohl sind inkrementelle Anpassungen vor allem in solchen Bereichen möglich, in denen die forschungspolitischen Akteure des Bundes und der Länder weitgehend unabhängig voneinander agieren können.

Dies trifft derzeit insbesondere auf die Großforschungszentren des Bundes zu. Den Großforschungseinrichtungen kam als staatlich gesteuerte und vertikal integrierte Organisationen innerhalb der arbeitsteiligen Struktur des deutschen Innovationssystems bislang konzeptionell die Aufgabe zu, im Rahmen einer hohen Fertigungstiefe an das in der Grundlagenforschung erzeugte Wissen anzuknüpfen und den gesamten Transferprozeß bis hin zu den industriellen Prototypen zu organisieren. Dagegen unternimmt die Forschungspolitik des Bundes mit der Gründung der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) in jüngerer Zeit den Versuch, die Zentren vom Prinzip der vertikal integrierten und hierarchisch gesteuerten „In-house-Produktion" auf programmgesteuerte inter-organisatorische Kooperationsprojekte umzustellen. Diese Reformstrategie läuft ihrer Intention nach auf einen Rückzug des Staates aus der unmittelbaren Produktion von Innovationen und eine neue Politik des „Enablings" hinaus, die korporative Akteure zur horizontalen Selbstorganisation befähigt und dazu in die Lage versetzt, relativ autonome Wettbewerbs- und Kooperationsstrategien zu entwickeln. Hierzu zählt auch die Fusion der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) mit der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG). Diese Fusion hat zum Ziel, die informationstechnische Großforschung zu desintegrieren und nach dem Vorbild der FhG von der Governanceform der hierarchischen Koordination auf ein marktorientiertes Regime der horizontalen Selbstkoordination umzustellen.

Allerdings ist der Erfolg beider Reformstrategien in hohem Maße ungewiß und hängt entscheidend davon ab, ob und wie effizient es gelingt, auf der intra-organisatorischen Ebene die Voraussetzungen für inter-organisatorische Kooperation und Selbstkoordination zu schaffen. Das hier vorgestellte Projekt geht dieser Frage in einem ersten Schritt für die Fusion von GMD und FhG nach und wird dann in weiteren Schritten die Entwicklung der HGF unter einer entsprechenden Perspektive untersuchen. So sind die Risiken eines Scheiterns der Fusion von GMD und FhG zunächst einmal sehr hoch zu veranschlagen. Soweit es Unternehmen angeht, bewirken Untersuchungen zufolge mehr als sechzig Prozent der Fusionen nicht das angestrebte Ergebnis. Dementsprechend verfolgt das Projekt das Ziel, sowohl zur Evaluation der derzeitigen Reform des deutschen Forschungssystems als auch zur Entwicklung des erforderlichen theoretischen und praktischen Wissens für das erfolgreiche Reformmanagement der Forschungsorganisationen beizutragen.



Forschungsprojekt: Transformationspfade und Leistungsfähigkeit des deutschen Systems der außeruniversitären Forschung
Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung (FÖV) - Postfach 1409 - D-67324 Speyer