Ziele:
Durch Verbindung von Demokratie- und Verwaltungstheorien mit ganz bestimmten konkreten Phänomenen in Verwaltung und Politik soll einerseits die Brauchbarkeit der Theorien überprüft, andererseits ein vertieftes Verständnis bestimmter pathologischer Erscheinungen gewonnen werden.
Gewinnung eines Überblicks über die Verbreitung und Gewinnung von Einsichten in die Ursachen (auch in die systemischen Ursachen) der behandelten Pathologien und Entwicklung von Strategien zu ihrer Bekämpfung.
Zentrale Forschungsfragen:
Im Rahmen dieses Projektes sollen bestimmte gemeinhin als pathologisch angesehene Erscheinungen in Politik und Verwaltung wie z.B. Ämterpatronage und Korruption dargestellt und bewertet werden. Zugleich soll untersucht werden, inwieweit sie auf systemischen Ursachen beruhen. Schließlich sollen Strategien zur Überwindung von Fehlentwicklungen konzipiert werden. Zu diesem Zweck soll in einem ersten Schritt das vorhandene empirische Material über die genannten Phänomene zusammengestellt und ausgewertet werden.
In einem zweiten Schritt sollen die von den verschiedenen Disziplinen entwickelten wissenschaftlichen Ansätze durchgemustert und auf ihre Aussage-, Erklärungs- und Beurteilungskraft "abgeklopft" werden, jeweils bezogen auf die genannten Phänomene. Dazu gehören unter anderem: der staatsrechtliche Ansatz (Verpflichtung der Amtsträger aufs Gemeinwohl); der politikökonomische Ansatz (Dominanz von Eigeninteressen in Politik und Verwaltung); der politikwissenschaftliche "Politische Klasse"-Ansatz (übergreifende gemeinsame Interessen von Berufspolitikern einschließlich der Frage, inwieweit es fruchtbar ist, diesen Ansatz auch auf Verwaltungsangehörige zu erstrecken); der verwaltungswissenschaftliche Ansatz von ebenenübergreifenden "Fachbruderschaften"; der fächerübergreifende "Pluralismus-Ansatz"; die verschiedenen Föderalismus-Konzepte und der sogenannte kulturelle Ansatz.
Soweit bestimmte negativ zu bewertende Phänomene auf Systemgründen beruhen, ist in einem dritten Schritt zu erörtern, ob und inwieweit Systemänderungen sinnvoll und möglich erscheinen, zum Beispiel durch Neutralisierung des öffentlichen Dienstes nach britischem Vorbild, Aktivierung der Kontrolle durch Aufsichtsgremien, Gerichte oder Öffentlichkeit, durch Instrumente der direkten Demokratie oder durch andere institutionelle Änderungen (wobei auch deren mögliche nachteilige Kehrseiten in die Erörterung einzubeziehen sind).
Methodisches Vorgehen:
Das Thema ist fächerübergreifend (und deshalb nur in einem interdisziplinären Zugriff zu bearbeiten) und verbindet Probleme der Verwaltung im engeren Sinne mit dem politischen Rahmen, in den die Verwaltung sich regelmäßig gestellt sieht.
Eigene Vorarbeiten:
Zum Thema "Ämterpatronage" hat der Projektleiter bisher u.a. folgende Beiträge veröffentlicht: von Arnim, Ämterpatronage durch politische Parteien. Ein verfassungsrechtlicher und staatspolitischer Diskussionsbeitrag, Wiesbaden 1980, abgedruckt auch in: Die Personalverwaltung 1981, S. 129 ff.; von Arnim, Auswirkungen der Politisierung des öffentlichen Dienstes, in: Böhret/Siedentopf (Hrsg.), Verwaltung und Verwaltungspolitik, 1983, S. 219 ff., abgedruckt auch in folgenden Zeitschriften: Die Personalvertretung 1982, S. 449, Der Deutsche Beamte 1983, S. 4, Auswärtiger Dienst 1983, S. 75; von Arnim, Staat ohne Diener, München 1993, Kapitel 4 - abgedruckt in spanischer Sprache unter dem Titel "Il clientelismo: ho Stato e l`amministrazione vittime dei partiti" in: Ragion Practica 4, S. 75-107; von Arnim, Fetter Bauch regiert nicht gern, München 1997, Kapitel 4; von Arnim, Das System, München 2001, Kapitel 4.
Zum Thema "Korruption" liegt folgendes Buch vor: von Arnim (Hrsg.), Korruption. Netzwerke in Politik, Ämtern und Wirtschaft, München 2003.