Aufgaben für die öffentliche Verwaltung im 21. Jahrhundert – Konsequenzen für die Organisationsgestaltung

Projektbeschreibung

Übersicht

Zielsetzung: Unterstützung von Entscheidungsträgern bei der Gestaltung schwieriger Veränderungsprozesse

Im Mittelpunkt des Projektes steht die Gestaltung von Veränderungsprozessen in Organisationen der öffentlichen Verwaltung. Dabei geht es zum einen um Vorhaben der Organisationsgestaltung, die dazu dienen bestehende Aufgaben angesichts knapper Ressourcen effizienter zu bearbeiten und dabei verstärkt auf die Wirkung des Verwaltungshandelns zu achten; zum anderen geht es um die professionelle Gestaltung von Veränderungsprozessen, wenn sich Verwaltungen auf kommende größere Aufgaben ausrichten, um zukunftsfähig zu sein.

Verortung im Forschungsprogramm der Sektion I
„Modernisierung in Staat und Verwaltung"

Das Projekt ist in das Forschungsprogramm „Modernisierung in Staat und Verwaltung" integriert. Im Mittelpunkt steht die Frage der Gestaltung von Veränderungsprozessen in Organisationen der öffentlichen Verwaltung unter einer sozialwissenschaftlichen Perspektive. 

Theoretische und methodische Grundlagen

Dem Forschungsvorhaben liegen folgende Annahmen zugrunde: Bei der Planung und Umsetzung organisationeller Veränderungsprozesse kommt den Entscheidungsträgern, seien es Einzelpersonen in herausgehobenen Führungspositionen oder Entscheidungsgremien, eine wichtige gestaltende und steuernde Funktion zu. Auf ihre Kognitionen über die Organisation und deren Funktionieren kommt es an:

  • Welche subjektiven Theorien über gute Organisationsstrukturen und die Gestaltung des Veränderungsprozesses selbst liegen ihren Sichtweisen und Handlungen zugrunde? 

  • Wie kann die Veränderung bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit der betroffenen Organisation eingeführt und gesichert werden?

  • In welchem Umfang werden dabei von den Entscheidungsträgern empirische wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen aus anderen, vorausgegangenen Veränderungsversuchen einbezogen?

  • Inwieweit decken sich die Vorstellungen von Entscheidungsträgern mit den wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen über Organisationsgestaltung?

Methodisch kommen in dem Projekt insbesondere Methoden der empirischen Sozialforschung zum tragen. In einer Expertenbefragung werden die förderlichen und hinderlichen Bedingungen des Einsatzes von Verfahren untersucht. Darüber hinaus werden bei der Analyse der Eigendynamik kollektiver Entscheidungsprozesse auch Verfahren der Interaktionsanalyse herangezogen.

Erfassung und Abbildung subjektiver Theorien von Entscheidungsträgern über die Gestaltung von Veränderungsprozessen

Bei der Untersuchung dieser Fragen wird in einer ersten Phase des Projektes eine sozial- und organisationspsychologische Perspektive eingenommen. Nach einer Analyse des Forschungsstand sollen in der Praxis handlungsleitende Vorstellungen von Entscheidungsträgern, deren so genannte subjektiven Theorien, zu zwei Gegenstandsbereichen erfasst werden: So geht es zum einen um deren Vorstellungen über „gute Organisationsstrukturen“ für umschriebene Aufgabenstellungen und zum anderen um die Vorstellungen und Annahmen darüber, wie denn ein Veränderungsprozess insgesamt zu gestalten ist, damit er zu nachhaltigen Erfolgen führt. 

Beispiele für solche gestaltgebenden subjektiven Vorstellungen sind: „Hierarchie muss sein.“ „Mehr als drei Hierarchiestufen sind nicht nötig.“ „Entscheidend ist das Ergebnis.“ „Veränderungen müssen von oben durchgesetzt werden.“ „Die Leitung muss hinter den Veränderungen stehen.“ „Ohne die Betroffenen läuft bei Veränderungen nichts.“ 

Eine Gruppe von miteinander zusammenhängenden Vorstellungen zu einem Themenbereich wird dann als subjektive Theorie angesehen. Entsprechend gibt es interindividuell verschiedene subjektive Theorien vom Zweck, dem Funktionieren und der Wirkung von Organisationen oder ihren Teilbereichen.

Analyse förderlicher und hinderlicher Faktoren in Veränderungsprozessen

Das Bemühen um eine zukunftsfähige Organisationsgestaltung kann sich auf wissenschaftlich fundierte Organisationslehren stützen. Diese werden seit etwa 100 Jahren entwickelt, um übersichtliche Organisationen und eine qualitativ hochstehende Aufgabenerledigung zu gewährleisten. Von der Bedeutung solcher wissenschaftlicher Theorien, von ihrem Wirken bei der Gestaltung von neuen Organisationsstrukturen und der damit verbundenen Veränderungsprozessen findet man jedoch im Behördenalltag nach unseren bisherigen Recherchen kaum Spuren. Im Sinne von „Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie“ könnten diese Erkenntnisse dem Kundigen helfen, die zu erwartende Dynamik von Veränderungsvorhaben in Organisationen besser zu verstehen und in der Folge dann auch zu beherrschen. 

So werden in einer weitergehenden empirischen Untersuchung subjektive Theorien von Entscheidungsträgern über die Gestaltung von Organisationsstrukturen und von Veränderungsprozessen erfasst und mit dem aus den empirischen Sozial- und Organisationswissenschaften abgeleiteten Wissen über Organisationswandel und Organisationsgestaltung verglichen. Die Auswertung der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der Abgleich der subjektiven Theorien erlauben es, förderliche und hinderliche Faktoren im Veränderungsprozess zu identifizieren. Im konkreten Fall kann dieser Abgleich von subjektiven Theorien und organisationswissenschaftlichem Wissen auch zur Diagnose und Evaluation laufender Veränderungsvorhaben eingesetzt werden. 

Entwicklung eines Evaluationsdesigns zur Bewertung von Veränderungsprozessen

Ein pragmatisches Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Evaluationsdesigns zur Begleitung von Veränderungsprozessen in Organisationen der öffentlichen Verwaltung. Insgesamt will das Projekt ein Beitrag dazu leisten, wie sowohl die subjektiven Theorien von Entscheidungsträgern als auch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Beschäftigung für einen erfolgreichen Wandel und eine effiziente Strukturierung von Organisationen der öffentlichen Verwaltung genutzt werden können.

Wissenstransfer - Weiterbildung, Lehre, Beratung

Das Projekt will zur Erweiterung der Methodenkompetenz und der sozialen Fertigkeiten von Führungskräften in der öffentlichen Verwaltung beitragen. Dadurch soll ein Beitrag zur Qualitätssicherung in Veränderungsprozessen geleistet werden.

Der Wissenstransfer erfolgt im Rahmen des Weiterbildungsprogramms für Führungskräfte aus der öffentlichen Verwaltung der Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer und über die Lehre im Ergänzungs- und Aufbaustudium für Nachwuchsführungskräfte.

Informationen zur Projektorganisation und zum Projektstand

Eigenprojekt des Forschungsinstituts für öffentliche Verwaltung

Projekt in der Sektion 1: Modernisierung in Staat und Verwaltung

Weiterführung von Forschungsarbeiten zur sozialwissenschaftlichen Analyse von Methoden zum Umgang mit schwierigen politisch-administrativen Aufgabenstellungen
(vgl. auch http://www.foev-speyer.de/e-design/)

 

Informationen zum Abrufen als PDF-Dateien

 

Stand: 4. September 2006


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